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SAP & ERP-Systeme

Vernetzte Unternehmen brauchen vernetzte Systeme: Welche SAP-Module digitale Prozesse zusammenführen

Unternehmen arbeiten heute über Abteilungen, Standorte und Geschäftsbereiche hinweg. Einkauf, Produktion, Vertrieb, Logistik, Personalwesen und Finanzabteilung greifen auf Daten zurück, die häufig aus denselben Geschäftsprozessen entstehen. Wenn diese Informationen in getrennten Systemen verarbeitet werden, entstehen Medienbrüche, doppelte Dateneingaben und Verzögerungen.

Eine integrierte SAP-Systemlandschaft kann solche Abläufe miteinander verbinden. Die einzelnen SAP-Module übernehmen dabei unterschiedliche Aufgaben, greifen jedoch auf gemeinsame Daten und Prozesse zurück. Dadurch entsteht eine durchgängige Informationsbasis, auf deren Grundlage operative und strategische Entscheidungen getroffen werden können.

Warum vernetzte Systeme für Unternehmen entscheidend sind

Ein digitaler Geschäftsprozess endet selten innerhalb einer einzelnen Abteilung. Ein Kundenauftrag kann beispielsweise Auswirkungen auf Vertrieb, Lagerbestand, Beschaffung, Produktion, Versand und Rechnungsstellung haben.

Werden diese Schritte in voneinander getrennten Anwendungen verarbeitet, müssen Daten häufig manuell übertragen werden. Das erhöht die Fehleranfälligkeit und erschwert den aktuellen Überblick über Geschäftsabläufe.

Eine integrierte ERP-Struktur verfolgt dagegen einen anderen Ansatz: Informationen werden möglichst nur einmal erfasst und anschließend für weitere relevante Prozesse verfügbar gemacht. Ändert sich beispielsweise ein Kundenauftrag, können die daraus resultierenden Informationen in nachgelagerten Prozessen berücksichtigt werden.

Damit wird die Verbindung zwischen Geschäftsprozessen zu einem wichtigen Bestandteil der digitalen Unternehmensorganisation.

SAP S/4HANA als zentrale Plattform

SAP S/4HANA bildet für viele Unternehmen die zentrale ERP-Basis. Das System unterstützt Geschäftsprozesse in Bereichen wie Finanzen, Controlling, Einkauf, Vertrieb, Produktion und Logistik.

Eine wesentliche Funktion besteht darin, unterschiedliche Unternehmensbereiche auf einer gemeinsamen Datenbasis abzubilden. Dadurch können Informationen aus verschiedenen Prozessen miteinander verknüpft werden.

Besonders relevant ist die In-Memory-Datenbank SAP HANA. Sie ermöglicht die Verarbeitung großer Datenmengen mit hoher Geschwindigkeit und unterstützt dadurch operative Auswertungen sowie analytische Anwendungen.

Für Unternehmen bedeutet das: Transaktionen und Auswertungen können stärker miteinander verbunden werden, anstatt Informationen aus mehreren isolierten Systemen manuell zusammenzuführen.

SAP FI und CO für Finanzen und Controlling

Finanzprozesse bilden einen zentralen Bestandteil jedes Unternehmens. Das SAP-Modul FI, also Financial Accounting, unterstützt unter anderem die Finanzbuchhaltung, Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung sowie weitere finanzwirtschaftliche Prozesse.

CO, Controlling, konzentriert sich dagegen auf die interne Steuerung. Kostenstellen, Kostenarten, Profitcenter und weitere Controlling-Informationen können analysiert und für unternehmerische Entscheidungen verwendet werden.

Die Verbindung von FI und CO mit anderen SAP-Modulen ist besonders wichtig. Ein Verkaufsauftrag kann beispielsweise nicht nur einen Vertriebsprozess auslösen, sondern später auch Auswirkungen auf Umsatz, Forderungen und Ergebnis haben.

So entstehen Finanzinformationen nicht isoliert, sondern als Ergebnis realer Geschäftsprozesse.

SAP MM verbindet Einkauf und Materialwirtschaft

Das Modul SAP MM, Materials Management, unterstützt Unternehmen bei Beschaffung und Materialwirtschaft. Dazu gehören unter anderem Bestellungen, Wareneingänge, Lieferantenprozesse und Bestandsinformationen.

Die Verbindung zu anderen Modulen ist hier besonders relevant. Wird Material benötigt, kann der Bedarf aus Produktions- oder Logistikprozessen entstehen. Nach der Bestellung folgen Wareneingang und gegebenenfalls Rechnungsprüfung.

Diese Vorgänge können mit Finanzprozessen verbunden werden. Ein Wareneingang kann beispielsweise Informationen für nachfolgende buchhalterische Prozesse bereitstellen.

Dadurch entsteht eine Prozesskette, die vom Materialbedarf bis zur finanziellen Verarbeitung reicht.

SAP SD verbindet Vertrieb und Kundenprozesse

SAP SD, Sales and Distribution, unterstützt die Abwicklung von Vertriebsprozessen. Dazu gehören unter anderem Angebote, Kundenaufträge, Lieferungen und Fakturierung.

Ein Kundenauftrag ist dabei nicht nur für den Vertrieb relevant. Er kann Informationen für die Lagerverwaltung, Logistik, Beschaffung, Produktion und Finanzbuchhaltung bereitstellen.

Genau diese Verknüpfung macht integrierte Systeme für Unternehmen interessant. Der Vertrieb erhält Informationen über Verfügbarkeit, während Logistik und Produktion frühzeitig erkennen können, welche Anforderungen aus Kundenaufträgen entstehen.

Am Ende des Prozesses kann die Fakturierung direkt mit den entsprechenden Finanzprozessen verbunden werden.

SAP PP für vernetzte Produktionsprozesse

In produzierenden Unternehmen spielt SAP PP, Production Planning, eine zentrale Rolle. Das Modul unterstützt die Planung und Steuerung von Produktionsprozessen.

Produktionsplanung steht dabei in engem Zusammenhang mit Materialwirtschaft, Vertrieb und Lagerverwaltung. Ein Auftrag kann beispielsweise einen Produktionsbedarf auslösen. Für die Herstellung werden wiederum Materialien benötigt, deren Verfügbarkeit über entsprechende Prozesse geprüft wird.

Eine integrierte Systemlandschaft kann dadurch Informationen entlang der gesamten Produktionskette bereitstellen.

Für Unternehmen ist dies besonders relevant, wenn viele Produkte, Materialien, Produktionsstandorte oder Liefertermine koordiniert werden müssen.

SAP WM und EWM für Lager und Logistik

Die Lagerverwaltung stellt eine weitere wichtige Schnittstelle zwischen verschiedenen Geschäftsprozessen dar. SAP WM unterstützt klassische Lagerverwaltungsprozesse, während SAP EWM, Extended Warehouse Management, umfangreiche Funktionen für komplexe Lager- und Logistikstrukturen bietet.

Lagerbestände beeinflussen unmittelbar die Verfügbarkeit von Produkten. Gleichzeitig bestehen Verbindungen zu Einkauf, Produktion, Vertrieb und Versand.

Ein digital vernetztes Lager kann deshalb nicht unabhängig vom restlichen Unternehmen betrachtet werden. Bestandsdaten müssen für die jeweils relevanten Prozesse verfügbar sein.

SAP QM für Qualitätssicherung

Qualitätsprozesse sind insbesondere in produzierenden Unternehmen eng mit Beschaffung, Produktion und Logistik verbunden. SAP QM, Quality Management, unterstützt die Planung und Dokumentation von Qualitätsprüfungen.

Materialien können beispielsweise beim Wareneingang geprüft werden. Auch während der Produktion oder vor dem Versand können Qualitätsprüfungen stattfinden.

Durch die Integration mit anderen SAP-Modulen lassen sich Prüfergebnisse mit den jeweiligen Materialien, Lieferanten, Produktionsaufträgen oder Warenbewegungen verbinden.

Das erleichtert die Nachverfolgung und schafft eine bessere Datenbasis für Qualitätsentscheidungen.

SAP HCM und SuccessFactors für Personalprozesse

Auch Personalprozesse gehören zunehmend zur digitalen Unternehmensarchitektur. SAP HCM unterstützt klassische Personalprozesse, während SAP SuccessFactors cloudbasierte HR-Funktionen abbildet.

Dazu gehören beispielsweise Personalverwaltung, Talentmanagement, Recruiting und weitere Mitarbeiterprozesse.

Die Bedeutung der Integration nimmt zu, wenn Personaldaten mit organisatorischen Strukturen, Kostenstellen oder Planungsprozessen verbunden werden müssen. Dadurch können HR-Informationen stärker in die gesamte Unternehmenssteuerung einbezogen werden.

SAP Analytics für datenbasierte Entscheidungen

Operative Systeme liefern große Mengen an Geschäftsdaten. Für Management und Fachabteilungen ist jedoch nicht nur die Speicherung, sondern auch die Auswertung dieser Informationen entscheidend.

SAP Analytics Cloud kann beispielsweise für Analysen, Berichte und Planungsprozesse eingesetzt werden. Daten aus verschiedenen Geschäftsbereichen lassen sich dadurch in einer gemeinsamen analytischen Umgebung betrachten.

Der Überblick zu den wichtigsten SAP-Modulen zeigt damit auch, dass Integration nicht ausschließlich auf Transaktionen ausgerichtet ist. Sie bildet gleichzeitig die Grundlage für Auswertungen und Planung.

SAP-Module arbeiten als Prozesskette zusammen

Der eigentliche Nutzen entsteht nicht durch einzelne Module, sondern durch deren Zusammenspiel. Ein typischer Geschäftsprozess kann beispielsweise so aussehen:

Kundenauftrag → Verfügbarkeitsprüfung → Materialbedarf → Beschaffung oder Produktion → Lager → Lieferung → Fakturierung → Finanzbuchhaltung

An dieser Prozesskette können mehrere SAP-Bereiche beteiligt sein. Vertrieb stößt den Auftrag an, Materialwirtschaft und Produktion stellen die erforderlichen Ressourcen bereit, Logistik organisiert die Lieferung und Finance verarbeitet die finanziellen Auswirkungen.

Je besser diese Prozesse miteinander verbunden sind, desto weniger manuelle Übergaben sind erforderlich.

Integration über SAP BTP und Schnittstellen

Nicht jedes Unternehmen nutzt ausschließlich SAP-Systeme. Häufig existieren zusätzlich CRM-Plattformen, E-Commerce-Systeme, Produktionssoftware, externe Logistiklösungen oder spezialisierte Fachanwendungen.

SAP Business Technology Platform kann in solchen Umgebungen als technologische Grundlage für Integration, Datenverarbeitung und Erweiterungen dienen. Über APIs und Integrationsmechanismen lassen sich SAP- und Drittsysteme miteinander verbinden.

Dabei sollte Integration nicht nur als technische Schnittstelle betrachtet werden. Entscheidend ist auch, welche Daten wann übertragen werden, welches System als führende Quelle gilt und wie Datenqualität sichergestellt wird.

Stammdaten als Grundlage der Vernetzung

Eine technische Verbindung allein garantiert noch keinen reibungslosen Prozess. Eine zentrale Voraussetzung sind konsistente Stammdaten.

Kunden, Lieferanten, Materialien, Produkte und organisatorische Einheiten müssen über die verschiedenen Prozesse hinweg eindeutig identifizierbar sein. Unterschiedliche Schreibweisen oder doppelte Datensätze können ansonsten zu Fehlern in nachgelagerten Prozessen führen.

Deshalb gehört ein strukturiertes Stammdatenmanagement zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine funktionierende SAP-Architektur.

Was Unternehmen bei der SAP-Integration beachten sollten

Vor der Einführung oder Erweiterung einer SAP-Systemlandschaft sollten Unternehmen zunächst ihre bestehenden Prozesse analysieren. Dabei sollte nicht das einzelne Modul im Mittelpunkt stehen, sondern der gesamte Prozess vom Auslöser bis zum Ergebnis.

Wichtige Fragen sind:

  • Wo entstehen Daten?
  • Welche Abteilungen benötigen diese Informationen?
  • Welche Systeme sind heute beteiligt?
  • Wo werden Daten mehrfach erfasst?
  • Welche manuellen Schnittstellen verursachen Fehler?
  • Welche Prozesse benötigen Echtzeitinformationen?
  • Welche Systeme sollen künftig führend sein?

Auf dieser Grundlage kann entschieden werden, welche SAP-Module tatsächlich benötigt werden und an welchen Stellen zusätzliche Integrationslösungen erforderlich sind.

Von einzelnen Anwendungen zur durchgängigen Prozessarchitektur

Die Digitalisierung eines Unternehmens besteht nicht darin, möglichst viele Softwarelösungen einzusetzen. Entscheidend ist vielmehr, ob diese Lösungen sinnvoll miteinander verbunden sind.

SAP-Module können dabei unterschiedliche Geschäftsbereiche abdecken und gleichzeitig gemeinsame Prozesse unterstützen. FI und CO bilden die finanzielle Steuerung ab, MM unterstützt Beschaffung und Materialwirtschaft, SD verbindet Vertriebsprozesse, PP unterstützt die Produktion und EWM beziehungsweise weitere Logistiklösungen bilden Lager- und Warenbewegungen ab.

Durch die Verbindung dieser Bereiche entsteht eine durchgängige Prozessarchitektur. Daten müssen weniger häufig manuell übertragen werden, Verantwortlichkeiten werden transparenter und Geschäftsprozesse lassen sich besser analysieren.

Für Unternehmen bedeutet das: Eine vernetzte Organisation benötigt nicht nur digitale Einzelanwendungen, sondern eine Systemlandschaft, in der Prozesse, Daten und Abteilungen miteinander verbunden sind.